Sonntag, 8. Oktober 2006

Wenns mal wieder laenger dauert...

Gott, ich fand die Snickers-Werbungen mit dem Slogan soviel besser als die Neuen... (sorry, jetzt hab ich das lustige Titel-raten versaut... aber keine Sorge, ich machs nachher wieder gut).

Wie dem auch sei: Stellt euch schon mal drauf ein, dass das hier was laenger dauert. Holt euch ein Snickers oder nehmt den Laptop mit aufs Klo oder in die Kueche oder ins Bett oder...


Zu einem guten Urlaub gehoert im Allgemeinen nicht viel.
Man braucht mindestens zwei Leute, wenn man nicht gerade hyper-kontaktfreudig oder ein absoluter Misanthrop ist, ein bisschen Geld (muss nicht unbedingt viel sein), moeglichst gutes Wetter und gute Laune. Reicht eigentlich. Bisschen Essen ab und an ist natuerlich auch ne gute Sache, aber man kann durchaus zwei Wochen lang nur von Instant Nudeln leben (was ja bereits hinreichend von mir getestet und bewiesen wurde).
Ansonsten bin ich ja ein grosser Fan davon, einfach irgendwo hinzufahren und zu sehen, was der Tag so bringt. Das ein oder andere vorher zu planen schadet dabei natuerlich nicht, man muss sich ja schon irgendwo informieren, was einem so an Beschaeftigung zur Auswahl steht, aber ich finde es sinnlos, jede Uebernachtung im Voraus zu buchen und sich damit komplett unflexibel zu machen.

Das Abenteuer Abel Tasman startete deswegen wohl auch etwas langsamer und gewohnt chaotisch, aber irgendwie haben Natalie und ich (eigentlich eher Natalie) es dann doch geschafft, ein paar Huetten im Nationalpark vorab zu buchen (muss man machen, wenn man den ganzen Walk macht und im Park uebernachtet). Auch ein halbwegs preiswerter Bus nach Nelson war relativ schnell gefunden (55$ glaube ich, die Busse sind hier teurer als in Irland, dafuer kann man aber fuer 20$ die Nacht in den Backpacker Unterkuenften schlafen) und so machten wir uns am Dienstag, den 26. September, viel zu frueh morgens, auf ins Ungewisse.
Nach einer Uebernachtung in Nelson (im wundervollen Tasman Bay Backpackers) ging es am naechsten Morgen weiter nach Marahua, unserem Startpunkt fuer den Coastal Track.

Und was fuer ein Track! Wir waren insgesamt vier Tage unterwegs und haben drei Naechte in verschiedenen Huetten im Nationalpark verbracht. Nicht gerade komfortabel, muss ich sagen. Aber niemand hat gesagt, dass es leicht sein wuerde.
Der Track ging ueber Anchorage Bay (ca. 3-4 Stunden Laufzeit am ersten Tag und Uebernachtung in der Anchorage Hut), Bark Bay (2.5 Stunden von Anchorage, dort gibt es auch eine Huette, aber die hatten wir nicht gebucht), Awaroa (8 Stunden Laufzeit am zweiten Tag; gluecklicherweise gibt es 20 Minuten vor der Awaroa Hut eine Lodge fuer die etwas betuchteren Wanderer, wo wir uns erstmal ein wohlverdientes kuehles Bier gegoennt haben... ich hatte noch nie ein Bier, was sooo gut geschmeckt hat <3), diverse kleinere Straende und schliesslich nach Whariwharangi (offiziell 4.5-5 Stunden Laufzeit ab Awaroa - wir haben 7 gebraucht und die letzte Stunde war wirklich toedlich!), wo wir unsere letzte Nacht ganz alleine in einer Huette verbrachten. Naja, nicht ganz alleine, da es anscheinend Maeuse gab und Natalie mich um 5h morgens aufgeweckt hat, um mir mitzuteilen, dass eben jene Maeuse gerade dabei waren, unser Gepaeck anzuknabbern… aber da machste nichts, also hab ich gleich mal friedlich weiter gepennt und am naechsten Morgen konnten wir dann auch keinen Schaden an den Rucksaecken feststellen. Dafuer waren die Kruemel, die uns beim Essen auf den Boden gefallen waren, samt und sonders verschwunden.

Aber es hatte auch Vorteile, die Huette fuer uns zu haben. So konnten wir jeder zwei von den (verdammt duennen!) Matratzen benutzen und die anderen vor die Fenster stellen, um morgens nicht ganz so frueh von der Sonne geweckt zu werden und uns nachts vor der Kaelte zu schuetzen. Hat beides super geklappt und so sind wir dann am vierten Tag die letzten 1.5 Stunden bis zum Wainui Parkplatz (der Endpunkt des Walks, wo wir nach einstuendiger Verspaetung gluecklicherweise doch noch von dem von uns bestellten Bus abgeholt wurden) auch bei Nieselregen ganz gemuetlich ablaufen.

Die zwei Tage in der Mitte hatten wir richtig, richtig gutes Wetter mit fett Sonnenschein und einer leichten Brise vom Meer her. Aber der Park… hach, der Park. Ich glaub, ich kann gar keine Worte finden, um zu beschreiben, wie herrlich es dort ist. Wenn es ein Paradies gibt, dann koennte es nicht schoener sein, ganz ehrlich. Die Straende sind goldgelb, das Wasser tuerkisblau und glasklar und die Vegetation reicht direkt bis zum Strand. Und man bedenke, es ist hier immer noch Ende Winter/Anfang Fruehling, aber wir sind jeden Tag im Spaghetti-Shirt rumspaziert und wenn das Wasser nicht so eisig gewesen waere, ich waere sofort reingesprungen.
Kein Wunder, dass der Park im Sommer total ueberlaufen ist, aber in der Zeit, die wir dort verbracht haben, war es angenehm ruhig. Gerade wenn man morgens um 8h loslaeuft (jawohl, hab ich jeden Tag getan, ganz freiwillig), trifft man waehrend den ersten Stunden in der Regel keine Menschenseele und das macht es nur noch umso faszinierender.
Ich hab einiges an Fotos gemacht und Natalie auch, aber ich hab das dumme Gefuehl, dass sie nicht mal annaehernd das widerspiegeln, was wir erlebt haben. Es ist echt so ein “wow”-Erlebnis, aber am laufenden Band.

Der restliche Trip bestand dann in erster Linie mal aus ausruhen und die Fuesse hochlegen in Takaka (waren dort ganze drei Tage und man kann dort wirklich nichts machen, erst recht nicht, wenn man kein Auto hat – damit waere die Frage dann auch fuer alle beantwortet: Ich habe immer noch kein Auto, aber ich bemuehe mich, das bis Weihnachten zu aendern).
Wir sind wirklich im schaebigsten, dreckigsten Backpacker Hostel untergekommen, das ich je gesehen habe, aber die Besitzer waren freundlich, die Betten gemuetlich und es gab Fruehstueck und Videos umsonst, also war das schon ganz annehmbar.
Die Hostel-Besitzerin musste dann zufaellig grad nach Blenheim und hat uns umsonst dorthin mitgenommen und wir sind dann von dort aus nach Picton weiter, weil wir eigentlich vorhatten, am Queen Charlotte Sound oder an den Marlborouh Sounds kajaken zu gehen. Ist dann aber wetterbedingt nichts draus geworden. Stattdessen haben wir noch einen ganz kleinen (2.5-Stunden) Walk gemacht und hatten dann im Endeffekt zumindest eine gute Aussicht auf die Sounds. Ausserdem haben wir dort eine Oesterreicherin wieder getroffen, die wir ein paar Tage vorher in Takaka im Hostel kennengelernt hatten und die gerade auf Weltreise ist und mit der sind wir dann abends noch im Irish Pub einen trinken gegangen.

Von Picton aus ging es weiter nach Kaikoura, wo wir dann eigentlich nochmal so einen kleinen Walk machen wollten, um uns eine Robbenkolonie und ein paar Wale anzugucken, aber es war so windig, dass wir nach 10 Minuten zum Hostel zurueckgekehrt sind. Das Hostel in Kaikoura hatte viel vom einem Puff, haben wir festgestellt. Der Besitzer sah sogar einwandfrei wie ein Zuhaelter aus. Ich wollte Natalie gerade darauf hinweisen, als er uns eroeffnete, dass er zufaellig auch Deutsch spricht, da seine Mutter Deutsche ist. Grossartig. Da denkt man, man kann gemuetlich ueber Leute herziehen, die direkt neben einem stehen, weil die einen eh nicht verstehen und dann sprechen die einfach deine Sprache. Unglaublich. Aber ich bin schon ganz froh, dass ich das mit dem Zuhaelter nicht gesagt habe.
Und die Betten in dem Hostel waren einfach nur traumhaft. Hab lange nicht mehr so gut geschlafen.

Naja, nach Kaikoura (wo ich mir btw eine ganz tolle Jacke gekauft habe ^^) sind wir dann nach Christchurch zurueckgekehrt und wie jede gute Reise, so endete auch diese mit einem Drink – im Dux. Wir sind eigentlich dorthin gegangen, weil wir mal wieder ein bisschen Live-Musik sehen wollten, aber es stellte sich dann heraus, dass die Ska-Band (!), die eigentlich spielen sollte, abgesagt hatte.
Gluecklichweise blieb uns aber nicht viel Zeit zum Truebsal blasen, da wir kurz darauf von zwei Typen zum Billard spielen eingeladen wurden. Es stellte sich heraus, dass die beiden mit einer groesseren Gruppe unterwegs waren, alles Amis, die z.Z. hier studieren - und ein Typ namens Simon aus Dunedin, den sie vorher schon irgendwo kennengelernt hatten. Das war der eine von den zweien, mit denen wir Billard gespielt haben. Der andere hiess Ned oder Nick oder so (ich dachte zuerst Ned, aber als die anderen mit ihm geredet haben, klang es mehr nach Nick… naja, ist ja auch egal) und kam aus Texas.
Wir sind dann spaeter noch mit denen in Mickey Finn’s Irish Pub weitergezogen, wo es dann doch noch die heissersehnte Live-Musik gab. Die Band, die gespielt hat, war richtig gut, haben jede Menge Rock gespielt von Green Day ueber Incubus bis Red Hot Chili Peppers und wir sind dann auch gut abgegangen. Haben den restlichen Abend saemtliche Drinks ausgegeben bekommen und mit den Amis Nummern ausgetauscht. Vielleicht seh ich die dann ja nochmal.

Natalie ist dann am Samstag wieder nach Timaru zurueck gefahren und ich habe heute dann wieder angefangen ein bisschen zu arbeiten. Die Maedchen sind zurueck und ab morgen ist wieder Schule. Aber das passt schon, man braucht ja auch mal was Abwechslung.

Fuer die, die bis hierhin durchgehalten haben: Meine Hochachtung. Ich habs etwas undetaillierter geschrieben, als ichs vielleicht haette machen koennen, aber ich wollte euch jetzt auch nicht den totalen Informations-Overkill antun, zumal das meiste davon wahrscheinlich gar nicht so besonders interessant fuer euch waere. Aber ihr duerft natuerlich gerne Fragen stellen und dann erzaehl ich vielleicht noch was mehr ;).

Als Belohnung fuer die mentale Staerke empfehle ich euch an diese Stelle das Buch “Morgen war Krieg” von John Marsden. Hab ich in den Ferien gelesen und es war verdammt gut. Ist auch nicht sehr dick und auch nicht besonders schwierig geschrieben (ich habs auf Englisch gelesen und brauchte kein Woerterbuch, also geht das schon) und ja, ich fands super.

Zum Abschied noch die Quizfrage des Tages fuer die ganz Schlauen unter euch: Welche Farbe hat die “Blackbox” im Flugzeug normalerweise?
Nicht pfuschen ;).

So, I’m outta here. Cheers!


P.S.: Fotos wie versprochen demnaechst (ich tu mein Bestes!)

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