Freitag, 3. November 2006

howtofightloneliness

Da vermutlich eh kein Mensch auch nur den Hauch einer Ahnung hat, woher dieser Titel kommt, kann ichs ja mal eben kurz erklaeren: Und zwar ist das der Titel von einem Song (wie koennte es auch anders sein) von Wilco vom Album Summerteeth. Und das ist eines der schoensten Alben, die ich je gehoert habe und mein Lieblingsalbum fuer einsames Shisha rauchen und ueber die Welt nachdenken und trotzdem nicht in Melancholie ersticken.
Kurz gesagt: Kaufen! Sofort!


Tja, also was unternimmt man gegen Einsamkeit? Laut Wilco sollte man sich ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubern und Luegen erzaehlen. Was durchaus im Bereich des Moeglichen waere, wenn man blond und leicht debil ist, aber gluecklicherweise trifft zumindest eins von beidem nicht auf mich zu, weshalb ich mir dann doch einen anderen Weg suchen musste, als mir letztes Wochenende mal wieder langweilig und infolgedessen nach einem Drink zumute war.

Es begab sich also, dass ich mich am Samstagabend ganz mutterseelenalleine auf den Weg in die grosse Stadt machte, um mein Glueck Alkohol zu finden. Wer mich kennt, weiss, dass das ein groooosser Schritt fuer mich war und ich bin sicher, haette ich einen Psychiater, so waere er sehr, sehr stolz auf mich gewesen. Man muss naemlich wissen, dass ich zum einen (ich zitiere hier mal die Bibi) extrem unpartypartisch bin und zum anderen zumindest nach aussen hin (ich zitiere saemtliche Lehrer, die wiederum die Mehrheit der Leute repraesentieren, die keine Ahnung davon haben, wie ich wirklich bin) ein wenig introvertiert wirke.
Doch in meiner Verzweiflung sah ich keinen anderen Ausweg und so machte ich mich um acht Uhr abends auf den Weg ins Dux, um die Band des Abends auszuchecken, die um halb neun anfangen sollte zu spielen.

Um zehn Uhr hatte ich mein erstes Ginger Beer gekillt, einen schaetzungsweise 40jaehrigen abgewimmelt, der mich in ne irgendeine andere Bar einladen wollte und die Band war immer noch nicht da.
Leicht frustriert, doch voll guter Hoffnung, verliess ich das Dux, um mir meine wohlverdiente Dosis Rock&Pogo stattdessen im Mickey Finn's zu besorgen, wo es jeden Abend Live Acts gibt.
Als ich dort ankam, sah es allerdings wenig berauschend aus: Die Band war noch mit dem Aufbau ihres Equipments beschaeftigt und die Bar gaehnend leer. Mangels Alternativen beschloss ich dennoch, mich erstmal (immer noch alleine) an einen Tisch zu setzen und auf die Musik zu warten. Zu diesem Zeitpunkt begann ich mich zu fragen, wer eigentlich die bescheuerte Idee gehabt hatte, alleine ausgehen und ob es Sinn machen wuerde, mich selbst dafuer zu ohrfeigen. Doch dann, gerade als ich beginnen wollte, ein Kunstwerk aus Bierdeckeln zu errichten, kam die Wende.

Sie kam genau genommen in Form eines Ers und hiess Steve.
Steve war schon ein wenig laenger im Mickey Finn's gewesen, ebenfalls alleine, allerdings wartend auf zwei Freunde aus Amerika. Obgleich er mir spaeter ueberzeugend versicherte, leicht introvertiert zu sein (wo haben wir das nur schon mal gehoert?), war er doch offensichtlich ein bisschen weniger unsozial als ich und fragte deshalb, ob wir uns denn nicht in unserer Einsamkeit zusammentun sollten, zumindest bis seine Freunde kaemen.
Erstaunlicherweise schaffte er es, diese Frage so zu formulieren, dass es nicht nach einer Anmache und noch dazu ueberaus sympathisch klang, weswegen ich ihm dann grosszuegig einen Platz an meinem Tisch gewaehrte.

Ja, ich muss sagen, das war eine sehr weise Entscheidung, denn so viel Spass wie an dem Abend hatte ich wirklich schon lange nicht mehr. Wir unterhielten uns zunaechst mal eine Weile ueber dies und das und das und jenes (so das Uebliche, was man halt erstmal abklaert, wenn man gerade jemanden kennenlernt - Nationalitaet? Alter? Vermoegend? Lebensversicherung?!?) und als schliesslich seine beiden Freunde Ken und Christina auftauchten, wurde ich ohne grosses Trara zum Billard spielen eingeladen (bzw. zum zugucken, da nur Ken und Steve spielen wollten und ich mich waehrenddessen mit Christina unterhielt, was auch sehr nett war).

Als die beiden Amis dann nach etwa einer Stunde aus muedigkeitsgruenden den Heimweg antreten wollten, beschlossen Steve und ich spontan, dass die Nacht noch viel zu jung waere, um nach Hause zu gehn.
Da Steve leider generell wenig Interesse an Musik hat (ja, ich weiss... ich bin immer noch schockiert deswegen) und wir uns eh noch ein bisschen unterhalten wollten, kehrten wir ins Dux zurueck, um uns dort draussen an einen Tisch zu setzen (drinnen hatte unterdess doch noch die Band angefangen zu spielen, aber die war nicht unbedingt hoerenswert... Elektro und so... pfui).
Er entdeckte dann aber per Zufall zwei Freunde, die im Obergeschoss auf einer Privatfeier (Geburtstag des Onkels eines Freundes eines Freundes von Steve) waren und uns dann spontan Zugang zu selbiger und somit zu Freibier und anderen Getraenken verschafften.

Wir hatten vorher schon festgestellt, dass wir beide keine Partygaenger und schon gar keine Taenzer sind und somit verzogen wir uns dann uebereinstimmend in eine Ecke, um gemuetlich ein Schwaetzchen zu halten und Bier und Cola zu trinken. Steves Freunde kamen dann auch noch dazu und so unterhielt ich mich eine Weile mit Chris, der 3 Monate in der Schweiz gelebt hat und deshalb unbedingt Deutsch mit mir reden wollte. Was sehr amuesant war, da er zum einen natuerlich kein perfektes Deutsch sprach und zum anderen auch leicht angetrunken war und deshalb ohnehin nicht so die groessten Weisheiten von sich gab. Aber trotzdem ein netter Kerl.
Zwischenzeitlich stellte sich dann heraus, dass Steve, der sowieso schon ziemlich lustig drauf war, Comedian ist und in Christchurch am Court Theatre in einer Impro Comedy Show mitwirkt, die jeden Freitag Abend stattfindet.
Und da ich eben diese Comedy Show schon die ganze Zeit mal besuchen wollte, versprach er mir Freikarten fuer die naechste Show, in der er auftritt (er ist nicht in jeder dabei). Punkt fuer mich, hm?

Die Party des Onkels des Freundes des Freundes von Steve war dann so gegen 1h vorbei und wir ueberlegten gerade, ob es schon spaet genug waere, nach Hause zu gehen (waren an sich beide der Meinung, dass man eigentlich noch was mit dem Abend anfangen koennte), als er eine SMS von einem weiteren Freund erhielt, der sich gerade im Sticky Fingers befand. Wir brachen also dorthin auf, um uns dann mit selbigem Freund noch fuer eine etwas weniger spektakulaere Stunde draussen hinzusetzen und anschliessend dann doch den Heimweg anzutreten.
Ich bekam eine Freifahrt nach Hause, Steve meine Nummer und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch heute ;).
--
So, das ist die Story der Woche, da sich dieses WE vermutlich eher wenig abspielen wird. Ich bin naemlich On Duty und muss von daher das ganze Wochenende im Boarding House bleiben.
Ansonsten hatten wir am Mittwoch unser Halloween Formal Dinner, was ganz lustig war, da alle verkleidet waren (ich natuerlich nicht, aber immerhin war ich halloweenmaessig in orange und schwarz gekleidet) und wir so lustige Kuerbisse auf den Tischen stehen hatten usw.

Gestern hatten wir dann nen ganzen Haufen Kinder da, die im Cholmondeley Heim wohnen (das ist fuer Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben koennen, weil die z.B. sehr krank sind oder z.T. auch im Gefaengnis sitzen) und mit denen haben wir dann ein BBQ veranstaltet und es gab Huepfburgen und was nicht alles.
Eines von unseren Maedchen ist dann von der Huepfburg gefallen und hat sich die Hand verletzt und ich bin dann mit ihr ins Krankenhaus (naja, war kein KH, aber sowas aehnliches) gefahren, um sie verarzten zu lassen.
Als ich wiederkam, wurden mir dann ein paar von den Cholmondeley-Betreuern vorgestellt, die auch so ne Art GAP Jahr machen. Einer war aus Deutschland, eine aus Oesterreich, eine aus Australien und eine aus Finnland. Hab mich dann sehr nett mit denen unterhalten und wir haben dann natuerlich auch mal wieder Nummern ausgetauscht.
Also, ich bin diese Woche sehr gut gewesen im loneliness fighten. Und ich glaub, ich hab wirklich die meiste Zeit gelaechelt. Aber keine Luegen erzaehlt, nein, sowas tue ich nicht ;)...

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