Freitag, 24. November 2006

Filmriss.


Letzte Woche Freitag bin ich um 7h aufgestanden.

Um 8h sass ich im Bus nach Timaru, wo ich um kurz vor elf bei sintflutartigem Regen ankam. Ich brauchte knapp 40 Minuten, um den Weg zu Natalies Haus zu finden und als ich dort ankam, waren meine Chucks vollkommen durchnaesst und meine Stimmung irgendwo unter Null.
Nachdem die Schuhe ca. 3 Stunden auf der Heizung verbracht und Natalie und ich zwei Tassen Tee getrunken und uns gegenseitig auf den neusten Stand bezueglich unseres ach-so-erfuellten Lebens gebracht hatten, sah die Welt schon wieder etwas besser aus und wir machten uns auf den Weg nach Oamaru (mit einem kleinen Umweg ueber "Pak'n'Save", um Cider und Wein zu kaufen), um Sabrina, Armin und Christoph (die lokalen GAPper) zu treffen.

Es war ausgemacht, dass wir beide bei Armin und Christoph uebernachten sollten, da Sabrina Besuch von einer Freundin hatte und kein Platz mehr bei ihr war. Natuerlich hatte uns niemand gesagt, dass die Jungs in einem absoluten Crackhouse untergebracht waren.
Der Schimmel an den Waenden und das vor sich hin naessende, gruene (!) Brot in der Kueche waren nur ein Bruchteil dieser Survival-Erfahrung. Die Toiletten (auf denen es natuerlich kein Klopapier gab) sahen schlimmer aus als auf jedem Bahnhof und die Jungs versicherten uns glaubhaft, dass jeder Toilettengang einer Runde Russischem Roulette gleichkaeme, da man nie wissen konnte, welche Infektion man sich als naechstes einfangen wuerde.

Gluecklicherweise waren wir nicht gezwungen, uns den ganzen Tag in diesen sogenannten "Flats" aufzuhalten, sondern verbrachten die meiste Zeit in Sabrinas Internat, wo es immerhin sauber war und man beim Essen keine Angst haben musste, sich Cholera oder Schlimmeres einzufangen.

Da der Regen scheinbar nicht vorhatte, nachzulassen, verbrachten wir den Grossteil des Wochenendes in geschlossenen Raeumen. Freitagabend trafen wir uns in den Flats, um gemeinsam zu kochen (auch ein grosses Abenteuer) und blieben anschliessend in Gesellschaft von Cider und Pfirsichlikoer noch eine ganze Weile dort.
Irgendwann kam dann aber doch die Idee auf, Oamaru "unsicher" zu machen (nicht die leichteste Aufgabe, in einer Stadt mit einer erheblichen Altersluecke fuer die Gruppe 20-30jaehriger), was dann auch mehr oder weniger scheiterte, nachdem weder im "Penguin Club", noch im "Last Post", noch im "Globe" wirklich viele Leute zu finden waren. Schliesslich blieben wir noch fuer eine knappe Stunde im "Fat Sally's", wo es immerhin eine relativ gute Band gab, aber nachdem diese ihr letztes Stueck gespielt hatte, traten wir dann auch schon wieder den Heimweg an.

Die Nacht in den Flats war fuer mich erstaunlicherweise recht angenehm, waehrend Natalie durch vorbeifahrende Zuege und Mitbewohner, die ihre Fahrraeder in unserem Zimmer deponiert hatten, gestoert wurde (letzterer musste die Tuere aufbrechen, die wir vorsorglich abgesperrt hatten, um an sein Rad zu kommen... um 5h morgens oder so... alles klar...).

Den Samstag verbrachten wir dann zum Grossteil mit Sabrina und ihrer Freundin und abends ging es wieder mit der kompletten Kompanie in die "City". Diesmal hatten wir schon ein wenig vorgetrunken, da man Oamarus Nachtleben leider ohne Alkoholkonsum wenig abgewinnen kann und so hatten wir dann auch ein wenig mehr Spass im "Fat Sally's" und bekamen auch etwas mehr von der Band mit als am Abend zuvor.

Es war Sabrinas Idee, hinterher noch in den "Globe" weiterzuziehen, wo an diesem Abend trotz 5$-Eintritt erheblich mehr los war, als noch einen Tag vorher.
Wir waren nach 2 Minuten drin, die anderen aber nicht und sie tauchten auch nicht mehr auf. Nachdem wir sie mindestens eine halbe Stunde gesucht hatten, gaben wir auf und beschlossen, einfach mal das beste aus dem Rest des Abends zu machen.


Sonntag Morgen wachte ich um 10h auf.
Was ich zuerst feststellte, war, dass ich noch immer die Klamotten von Samstag Abend anhatte, abgesehen von Schuhen und Jacke. Als zweites bemerkte ich, dass ich mich nicht in dem Schlafsack befand, den ich in den Flats in der Nacht zuvor benutzt hatte. Das erstaunte mich und so beschloss ich, dass es vielleicht angebracht waere, die Augen aufzumachen, um mein Umfeld etwas genauer zu inspizieren.
Zu meinem Erstaunen waren die Waende (in den Flats spackig weiss mit schwarzen Schimmelflecken) blau und sauber. Etwa in dem Augenblick, in dem ich das realisierte, wurde ich leicht panisch. Fuer einen Moment war mir absolut schleierhaft, in wessen Zimmer ich mich befand, mal ganz zu schweigen davon, wie ich hierher gekommen war.
Das letzte, was ich noch wusste, war, dass irgendwer im Globe Sabrina und mir ein Bier ausgegeben hatte und dass ich mich immer noch gefragt hatte, wo die anderen blieben.
Danach war alles weg. Absoluter Filmriss. Ist mir noch nie passiert.

Gluecklicherweise erkannte ich aber nur wenige Sekunden spaeter, in wessen Zimmer ich mich befand. Nach einem kurzen Blick zur anderen Seite des Raumes bestaetigte sich, dass ich offensichtlich bei Sabrina untergekommen war. Ich konnte nur hoffen, dass ihre Freundin in den Flats und nicht irgendwo auf der Strasse uebernachtet hatte.

Wie sich spaeter herausstellte, war die Sache relativ harmlos verlaufen. Die anderen hatten das Eintrittsgeld fuer den Globe nicht bezahlen wollen und waren dann zu Fuss zu den Flats zurueck gelaufen, waehrend Sabrina und ich vermutlich einige Stunden im Globe verbracht hatten, ehe wir dann per Taxi (das uns irgendein Typ ausgegeben hatte) nach Hause fuhren.
Sabrina hatte lustigerweise die ganze Zeit geglaubt, ich sei noch mehr oder weniger nuechtern, was ich jetzt so nicht sagen wuerde.
Und Gott, war mir schlecht am Sonntag.
Die Sache mit dem Filmriss finde ich im Uebrigen nur halbwegs lustig. Es ist schon ein aeusserst merkwuerdiges Gefuehl, wenn man sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern kann, wie man nach Hause gekommen ist und was man vorher so alles gemacht hat. Ich hatte eigentlich auch gar nicht soo viel getrunken gehabt... dachte ich zumindest.
Naja, ich wuerd mal sagen, das naechste Mal pass ich da auf jeden Fall was besser auf und ich werde mich schwer bemuehen, dass das nicht wieder vorkommt.

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