Donnerstag, 16. November 2006

Good Times

Mostly I'm an optimist
Bore my bad news and still persist
Going on about my problems, say
What's wrong with the world today?


Mehr?


Samstag Nacht, eigentlich schon Sonntag Morgen, 3h, in einer viel zu schicken Weinbar in der Innenstadt. Die Fuesse auf dem Couchtisch, daneben zwei leere Glaeser mit einem letzten Rest des absolut billigsten und sueffigsten Weins des Hauses. Das kuenstliche Kaminfeuer kaempft erfolgreich gegen die ansonsten leicht sterile Moebelhaus-Atmosphaere an, waehrend ich mit dem Kopf im Nacken die loechrige Decke betrachte, die irgendwie an Kindergarten oder Krankenhaus erinnert und so gar nicht hierher passen will.
Steve neben mir summt zufrieden vor sich hin und ich denke mir, dass das Leben manchmal ganz schoen einfach und einfach nur schoen sein kann.

Der Abend hat circa sechs Stunden vorher begonnen, mit ein paar SMS und kurz darauf dem ersten Drink im Dux, einer Akkustik-Gitarre im Hintergrund und zwei von Steves Arbeitskollegen, die zufaellig auch dort sind.
Es war eine kleine Odyssee vom Dux ins Le Plonk, jener Weinbar, wo das billigste Glas immer noch genauso viel kostet, wie eine ganze Flasche Wein von der Tankstelle in Endenich.
Nach kurzer Zeit naemlich verlassen wir das Dux schon wieder, um uns mit einem geklauten Cola-Glas und voll Abenteuerlust auf die Suche nach einem 24h Convenience Store zu begeben, damit Steve Labello kaufen kann. Ja, das sind die wahren Herausforderungen im Leben.
Die Mission wird jedoch nach kurzer Zeit erfolgreich beendet - und wir haben sogar noch Pfefferminzbonbons dabei raushauen koennen -, das Cola-Glas an seinen rechtmaessigen Besitzer zurueckgegeben und zur Feier des Tages direkt der naechste Drink bestellt.

Steves Kollegen wollen noch ins Treehouse, eine Karaoke-Bar, und da wir gerade so grandios die Labello-Mission gemeistert haben, fuehlen wir uns einem weiteren Ausflug durchaus gewachsen und kommen mit.
Das Treehouse befindet sich auf der Manchester Street, im ersten Stock eines sonst eher unauffaelligen Hauses, direkt neben dem Boogie Nights und anderen Nachtclubs.
Es ist ziemlich leer, als wir ankommen, was jedoch kein ungewoehnlicher Zustand ist fuer eine Bar in Christchurch um zehn Uhr an einem Samstagabend. Es ist noch zu frueh fuer die Partyluder und Player der Stadt.
Waehrend Steves Freunde sich gleich auf die Karaoke-Liste setzen lassen, ziehen wir es vor, die Rolle der Zuschauer einzunehmen und uns darueber zu unterhalten, wieso man sich immer dazu gezwungen fuehlt, die Untertitel bei Filmen mitzulesen, selbst wenn sowohl die Tonspur als auch die Untertitel in der eigenen Sprache sind und wieso Menschen, die man vor zwei Bildschirme setzt, von denen einer einen Film zeigt, der andere hingegen Weisses Rauschen, jeder auf Letzteren schaut, in der krankhaften Erwartung, dort wuerde noch irgendwas Grossartiges passieren.

(Weitere interessante Fragen des Abends sind unter anderem "What do you like?" (merke: das ist eine sehr generelle Frage, bezogen auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest) und "What worries you?" (dito). Extrem random, passt also gut hierher. Steve ist ueberhaupt sehr gut darin, random zu sein, was allerdings keine schlechte Eigenschaft ist, weil dadurch sehr interessante Gespraeche zustande kommen.
Zum Beispiel, vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen, da mir dieser leider nicht mehr ganz praesent ist: "You know, I like music." - "Ah... yeah, I like dogs."
Ihr duerft dann jetzt raten, wer was davon gesagt hat :P.)


Zwischen dem alten Mann, den wir gleich zweimal singen hoeren duerfen und der sich langsam fuellenden Tanzflaeche wird es Steve und mir dann irgendwann zu laut im Treehouse. (Ausserdem ist es sehr anstrengend, die ganze Zeit die Texte, der vorgetragenen Hits, die auf einer Grossbildleinwand eingebelendet werden, mitzulesen, weil natuerlich auch wir nicht anders koennen.)

Und so kommt es dann letztlich zu jener fatalen Entscheidung, einen ruhigeren Ort aufzusuchen, weshalb wir zehn Minuten spaeter an der Bar im Le Plonk stehen und den billigsten Weisswein des Hauses ordern, nachdem wir uebereinstimmend zu dem Schluss gekommen sind, dass billiger Wein immer noch am Besten schmeckt und weil vermutlich keiner von uns Geld fuer einen Teureren gehabt haette.
Die (vermutlich) ziemlich exquisiten Ledersofas bieten uns dann fuer die naechsten zwei oder drei Stunden ein Zuhause, waehrend wir die Haelfte der Zeit kranke Diskussionen ueber Gott und die Welt fuehren - die andere Haelfte besteht aus jener Art von Schweigen, das nicht peinlich, sondern, ganz im Gegenteil, ueberaus angenehm ist.

Spaeter werden wir im Auto auf der Rueckfahrt zum Boarding House Fahrstuhlmusik hoeren - vielleicht ist es aber auch die Musik, die man so oft beim Anfangs-Screen von Videospielen hat und die meine Eltern jedesmal in den Wahnsinn treibt - und feststellen, dass so ein Abend in ner Weinbar fast genauso entspannend sein kann, wie ein warmes Bad oder eine Massage.
- THE END -
... vorerst zumindest.



Den Freitagabend verbrachte ich im Uebrigen auf einem Barbecue, das von einem Haufen Ex-Rangi-Girls abgehalten wurde. Eingeladen worden war ich von einer Deutschen, die vor zwei Jahren ein Austauschjahr an dieser Schule verbracht hat und nun zurueck gekommen ist, um ihre alten Freunde und Bekannten wiederzusehen.
Obwohl ich dort niemanden kannte, war es ebenfalls ein sehr lustiger Abend. Habe dort wieder einmal feststellen koennen, wie gastfreundlich die Leute hier sind bzw. wie interessiert an Menschen, die sich wiederum fuer ihr Land interessieren und den langen Weg von Europa hierhin auf sich genommen haben ;).
Es gab gut Alkohol und eine Einladung auf eine Cocktailparty fuer das kommende Wochenende, die ich nun leider absagen werde muessen, weil ich mich morgen frueh auf den Weg nach Oamaru mache, um Sabrina, Armin und Natalie zu treffen und dort das Heritage Weekend zu begiessen begehen :P.

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